Presseartikel |
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Hamburger Abendblatt vom 07.02.00 |
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Ein Befehl - und die Yacht in Italien reagiertAlles unter Kontrolle: Hamburger Firmen haben ein einzigartiges System entwickelt, das die weltweite Überwachung auch von Schiffen oder Autos erlaubt - vom Heim-Computer ausVon Elisabeth StimmingDie elegante Yacht war leichte Beute, unbemerkt manövrieren die beiden Männer das Schiff aus dem Yachthafen der Karibik. Was sie nicht wissen: Irgendwo auf dem scheinbar unbewachten Schiff hängt ein kleiner Kasten, und der hat es in sich. Rund um die Uhr und rund um den Globus verbindet er das Schiff mit seinem Eigner in Hamburg und sendet Daten von Bord. In diesem Fall meldet die Guarding Box an seine Überwachungszentrale, dass das Schiff von Unbefugten bewegt wird, ein Alarm wird ausgelöst und die Polizei alarmiert. Das System ist neu, und es kommt aus Hamburg. Das Besondere: "Es funktioniert störungsfrei von jedem Ort dieser Welt aus. Schiffe und andere mobile Objekte können damit jederzeit überwacht und gefunden werden, sogar an den Polarkreisen", erklärt Lothar Prang, Chef der Pro-Tection AG.Die Erfinder, die Firmen Micro and Security Electronic und Pro-Tection, haben damit das nach eigenen Angaben erste System dieser Art entwickelt. In dem Büro an der Deichstrasse steht ein Dummie der Box auf dem Tisch, gerade so groß wie ein CD-ROM-Laufwerk. Darin stecken normalerweise jeweils Antennen für Sendung und Empfang über das Global Positioning System (GPS) und über Inmarsat DPlus, einem Satellitenverbund der neuesten Generation. "Damit ist die Box unabhängig von GMS und allen anderen bekannten Nachrichten- und Kommunikationssystemen und damit nicht lokal begrenzt, wie alle bisher angebotenen Sicherheitssysteme", sagt Prang.GMS steht für Global System for Mobile Communication und ist die weltweit am häufigsten verwendete Übertragungstechnik in digitalen Mobilfunknetzen. Maximal 64 unterschiedliche Punkte kann der Kasten aus dem Hamburger Büro abfragen - z.B. den Druck in der Maschine, Temperatur, Feuchtigkeit and Bord, Glasbruch, Kühlanlagen. Die Box nimmt auch Befehle entgegen: "Private Yachteigner könnten ihre Kaffeemaschine, Heizung oder Badewassertemperatur vom Heim-PC aus programmieren", sagt Prang. Jede Funktion kann ferngesteuert an- oder abgeschaltet, Betriebszustände können geändert werden.
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Die Erfinder stellen sich als Nutzer dieser Technologie Reedereien, Auto- und Bootsvermieter, Speditionen, Baufirmen sowie Industrieanlagen- und Pipeline-Bauer vor. Private Nutzer könnten Yachteigner sowie Besitzer von Wohnmobilen und Ferienwohnungen sein. Derzeit sind ein Holzfrachter, ein Passagierschiff und andere kleinere Objekte mit dem Schutz ausgerüstet. Prang: "Es gab den Fall, wo die Crew eines Passagierdampfers die Kühlaggregate ausfallen ließ, um dann bei einem Lebensmittelhändler Provision für den Ersatzkauf einzustreichen". Mit Hilfe der Box kann der Reeder beweisen, dass das Aggregat nicht defekt war, sondern manipuliert wurde. Fernüberwachung sei auch bei beweglichen Baustellen im Ausland manchmal zwingend notwendig, sagt Prang: "Wenn zum Beispiel irgendwo im Urwald Schienen verlegt werden, muss aus Garantiegründen für jede Schweißstelle ein beweisfähiges Protokoll erstellt werden - das ist bisher nicht immer möglich." Die Box sendet Ihre Position an GPS und alle restlichen Daten an Inmarsat DPlus. In Holland steht die derzeit einzige Inmarsat DPlus-Bodenstation. Pro-Tection hat im Sicherheitstrakt der Station einen eigenen Server, der die Daten nach Hamburg schickt. Von Hamburg aus gehen sie direkt zu den Eignern der überwachten Objekte. Weil auch gerade Versicherungen an einer nahtlosen Objektüberwachung haben, hoffen die Männer von Pro-Tection darauf, dass der Einbau ihrer Guardian Box eines Tages in einigen Bereichen obligatorisch wird. Prang: "Daran geht eigentlich kein Weg vorbei". Der Satellit als SteuermannDie Guarding Box sendet ihre Daten an die Satellitensysteme GPS (Global Positioning System) und Inmarsat DPlus. GPS heißt soviel wie Globales Ortungssystem und wurde 1973 von den USA zunächst für militärische Zwecke eingesetzt. Nach dem vollständigen Ausbau erlaubte das System 1994 global eine von Wetterbedingungen unabhängige Echtzeitnavigation. Dabei ist die Präzision für militärische Zwecke höher als die für zivile Nutzung. GPS ersetzt oder stützt in vielen Bereichen die klassischen Navigations- und Positionierungsverfahren.Angewendet wird es hauptsächlich in Navigation (Schiffe, Flugzeuge, Autos, Satelliten), bei vermessungstechnischer Arbeit in Ingenieurprojekten und im Liegenschaftskataster. Inmarsat (International Maritime Satellite Organization) ist eine 1979 gegründete internationale Organisation, die ein weltumspannendes satellitengestütztes Kommunikationssystem betreibt.Inmarsat DPlus ist die neuseste Generation und wurde Mitte 1998 in Betrieb genommen. Über Inmarsat DPlus können kleinere Datenpakete gesendet werden. |