Super-Yachten auf Kurs Cuxhaven - 22.12.2001
Noch nie in der jahrhundertelangen Geschichte des Hochsee-Segelsports ist eine Transatlantik-Regatta zwischen dem amerikanischen und dem deutschen Festland gesegelt worden.
Im Juni/Juli 2003 ist es endlich so weit: Die Seefahrerstadt Hamburg ist das Ziel der DaimlerChrysler North Atlantic Challenge 2003. Die Vorbereitungen für das 3500-Seemeilen-Rennen New York-Hamburg, das der Norddeutsche Regatta Verein (NRV) zu Ehren des Hamburgischen Vereins Seefahrt (HVS) veranstaltet, laufen bereits auf Hochtouren. Da der Tiefgang der großen Schiffe zwischen vier und fünf Metern liegt, muss ein citynahes Hafenbecken ausgebaggert werden. Im City-Sportboothafen, dessen maximaler Tiefgang bei Ebbe 2,70 Meter ist, können nur kleinere Schiffe anlegen.
Mehr als 80 internationale Yachten haben bereits "nachhaltiges Interesse" bekundet, mit mehr als 100 Schiffen am Start wird gerechnet. Einer der Stars ist die "Velsheda", eine 128 ft. J-Class-Yacht, die 1933 in See gegangen ist, Ende der 90er-Jahre umgebaut wurde und im Sommer 2001 beim Jubilee-Cup in Cowes dabei war. Als "heißester Renner" gilt eine als "extremer Ocean Racer" konzipierte Baltic 147, die zurzeit in Finnland im Bau ist. Schirmherr der Atlantik-Regatta ist Bürgermeister Ole von Beust, Zieldurchgangsschiff wird das Museumsschiff "Cap San Diego", das nach Cuxhaven verlegt werden wird. Nach dem Passieren der Ziellinie gehen aber alle Yachten elbaufwärts in die Seefahrerstadt Hamburg, wo gewaltige gesellschaftliche Events auf sie warten.
Im Rathaus werden auch die Siegerpreise übergeben: Die Yacht, die nach berechneter Zeit der "Winner over all" ist, erhält die wertvolle Kopie der Porzellanskulptur des Ozeanpreises von 1905 - atembeklemmende Erinnerung an das dramatische "Duell im Nordatlantik von 1905", das die 185 Fuß große "Atlantic" des New York Yacht Club (NYYC) bei teilweise schwerer See in 13 Tagen, zehn Stunden und 15 Minuten gewonnen hatte. Zweiter jenes "Great Ocean Race" aber war die "Hamburg" des Hamburgischen Vereins Seefahrt (HVS) geworden, den der Hapag-Generaldirektor Albert Ballin gemeinsam mit dem Norddeutschen Regatta Verein als "Club im Club" ins Leben gerufen hatte. Der HVS, der im Jahr 2003 seinen 100. Geburtstag groß feiern wird, wird zwei Schiffe ins Rennen schicken: die neue "Hamburg XII" und die "Norddeutsche Vermögen Hamburg", die wahrscheinlich mit einem neuen Namen in See gehen wird.
Co-Organisationspartner der Hamburger ist der berühmte New York Yacht Club, vertreten durch einen gebürtigen Deutschen, Richard von Doenhoff. In Hamburg haben zwei Männer, die Salzwasser in den Adern haben, das Ruder in der Hand: Hans-Peter Baum - er gewann das "Round-Britain-Race 1994" und ist Rear Commodore des legendären Royal Ocean Racing Club (Queen Elizabeth II. ist Mitglied) - ist als Chairman der Regatta für den Race-technischen Teil verantwortlich. Henning Rocholl, stellvertretender NRV- und HVS-Vorsitzender, Etappensieger der "Hongkong Challenge 96/97", arbeitet als Organisationschef und Event-Manager. Gestern teilte er mit, dass neben dem Titelsponsor, der DaimlerChrysler AG, weitere Hauptsponsoren ins Boot gestiegen sind: Deutsche Bank AG, SAP, Holsten Brauerei AG, World of TUI, die Hamburg Messe- und Congress GmbH u.a.
Der Kurs des Atlantik-Rennens liegt auf der Karte längst fest: Die rote Linie beginnt an der Position des ehemaligen Feuerschiffes "Sandy Hook" vor New York, kriecht über den Nordatlantik, lässt Großbritannien an Steuerbord zurück und endet an der Elbmündung, querab der "Alten Liebe" vor Cuxhaven, 60 Seemeilen vor Hamburg. "Point Alpha" auf der Seekarte ist ein Sicherheitspunkt, der am Vortag des Starttermins am 14. Juni 2003 nach der herrschenden Eisdrift des Labrador-Stromes festgelegt wird: Mit Eisbergen muss zu dieser Zeit auf dem Nordatlantik ebenso gerechnet werden wie mit schweren Stürmen oder den Lichtnebeln der "Weißen Nächte", die im Sommer nördlich der britischen Insel spuken.
Quelle: Hamburger Abendblatt, Günter Stiller