The Flight
Am Anfang war der Traum: Als erste Frau überhaupt und erstmals zu zweit im Motorsegler rund um die Welt zu fliegen. Dann haben Danielle Rentsch und Philipp Sturm alles unternommen, um sich auf dieses Vorhaben vorzubereiten. Und nun sind sie bereit, diesen gleich zweifachen Weltrekordversuch zu realisieren. Und damit auf spektakuläre Weise das 100-jährige Jubiläum der motorisierten Luftfahrt zu feiern. 1903 waren die Gebrüder Wright in ihrer Maschine rund 50 Meter weit gehüpft, ein Jahrhundert später wollen Danielle Rentsch und Philipp Sturm 50'000 Kilometer zurücklegen.Was treibt die beiden an? "Aus eigenem Antrieb, aus eigenem Willen ein solches Projekt zu meistern, diese Erfüllung wollen wir spüren", sagt Rentsch. "Erfahren, dass man eine solche verrückte Sache gemeinsam machen, die Grenzen sprengen, seinen Horizont erweitern kann", sagt Sturm.The Trips 50'000 Kilometer, 270 Flugstunden, drei Monate Reisezeit - ein Flieger. Am 1. Mai heben Danielle Rentsch und Philipp Sturm in Buochs am Vierwaldstättersee ab, um den Globus zu umrunden, mit Stops in zwanzig Ländern, von Österreich Griechenland, über Iran, Vietnam und Russland bis Grönland.The Pilots Ein Blick auf die Biographie von Danielle Rentsch und Philipp Sturm zeigt: Ohne Fluglärm, ohne den Geruch von Flugbenzin können die beiden nicht leben. 7000 Flugstunden hat Rentsch als Linienpilotin gesammelt, auf 2000 Stunden ist Sturm in einmotorigen Maschinen gekommen. Dabei ist die Weltumrundung nicht das erste fliegerische Abenteuer der beiden. Mit einem Amphibienflugzeug hatten sie Ende der Neunzigerjahre bereist zweimal die USA durchquert. Danielle RentschDanielle Rentsch, 42, am Zürichsee in der Schweiz aufgewachsen, ist seit 13 Jahren Linienpilotin. Die Karriere als Berufspilotin hatte sie bei Swissair begonnen, dann wechselte sie zur Balair, nun fliegt sie für die Swiss einen Airbus 330. Bis heute hat sie 7000 Flugstunden auf ihrem Konto. Doch damit ist ihr fliegerischer Bedarf noch nicht gedeckt: Auch in der Freizeit setzt sie sich in einen Flieger und bildet Piloten aus. Seit dem Sommer 2002 bezieht Danielle Rentsch unbezahlten Urlaub. Den nutzte sie zuerst für einen halbjährigen Einsatz für die Schweizer Armee im Kosovo, wo sie sich um den Flugverkehr der Truppe kümmerte.Was treibt sie jetzt dazu, sich Tag für Tag in die enge Kabine zu quälen und monotone Stunden konzentriert hinter dem Steuerknüppel zu hocken? "Es ist die Faszination am Langstreckenflug", sagt sie. Über fremde Länder zu fliegen, etwa Burma oder Kambodscha, wo nur selten ein Kleinflugzeug passiert. Philipp SturmPhilipp Sturm, 36, im Oberösterreichischen Linz geboren, hatte bereits mit 16 Jahren das Segelflugbrevet gemacht. Schon damals träumte er von Langstreckenflügen. Doch zuerst war eine ordentliche Ausbildung gefordert, er entschied sich für Agronom Ingenieur. Auf dem Beruf gearbeitet hat er dann aber nicht, zuerst er mehr dem Reisen angetan. Vor zehn Jahren dann trat er die Stelle als Vertreter des Flugzeugherstellers Diamond Aircraft in der Schweiz an. Der Bezug zum Fliegen war damit gesichert, auch die regelmässige Praxis. Bis heute hat er 2000 Flugstunden gesammelt. Hier beim Verkaufen, beim Verhandeln konnte er sein Interesse am Umgang mit Menschen ausleben. Denn am liebsten hätte Sturm Psychologie studiert.Seine Kenntnisse über Psychologie kommen Strum auch auf der Weltumrundung zu gut. Etwa bei der körperlichen Anstrengung hinter dem Steuerknüppel oder bei beim Ausharren in der engen Kabine. Weshalb nimmt er die Strapazen überhaupt auf sich? "Wir sind wie Zugvögel, Streifengänse oder Wildenten, die zwischen Winter- und Sommerquartier pendeln", meint er. Im Rhythmus der Natur sind die beiden unterwegs, Reisegeschwindigkeit 150 Stundenkilometern, Reisehöhe 1000 Metern. Das bietet auch die ideale Möglichkeit, in Ruhe die Landschaft zu beobachten, die Flussläufe und Verkehrswege, die Ausdehnung einer Stadt verfolgen.Die körperliche Fitness, die verlangt, hat sich Sturm auf dem Mountainbike geholt, unter anderem auf einer Tour rund um den Kilimandscharo. Beim anschliessenden Fussaufstieg auf den fast 6000 Meter hohen Gipfel in Tansania war dann vor allem mentale Ausdauer verlangt. Auf diese kann er sich nun verlassen.